Wer segeln will, muss sein Boot kennen. Ob SBF-Prüfung, SKS-Praxis oder der erste Chartertörn – dieser Guide erklärt alle wichtigen Bootsteile, das Rigg, die Segel und die Decksausrüstung. Verständlich, systematisch und prüfungsrelevant.
1. Bootsarten & Stabilität
Formstabil vs. Gewichtsstabil – der entscheidende Unterschied
- Breite Rumpfform gibt Stabilität
- Kein Ballastkiel, nur leichtes Schwert
- Kann kentern (und wieder aufgerichtet werden)
- Ideal zum Segeln lernen
- Schwerer Ballastkiel (oft 50 % des Gewichts)
- Stehaufmännchen-Prinzip
- Kann bei intaktem Rumpf nicht kentern
- Für Hochsee und Chartertörns
- Zwei seitliche Kiele statt einem Mittelkiel
- Ermöglicht aufrechtes Trockenfallen im Watt
- Etwas weniger Höhe am Wind als Mittelkieler
- Beliebt in Tidenrevieren (Nordsee)
- Zwei (Kat) oder drei (Tri) Rümpfe
- Breite Aufstandsfläche gibt Stabilität
- Kaum Krängung, sehr schnell
- Geringer Tiefgang, ideal für flache Gewässer
Prüfungs-Tipp
In SBF- und SKS-Prüfungen wird häufig nach dem Stabilitätsprinzip gefragt. Merke: Formstabil = breiter Rumpf (Jolle, Kat), Gewichtsstabil = schwerer Kiel (Yacht).
2. Rumpf & Steuerung
Grundlegende Begriffe, die jeder Segler kennen muss
Bug & Heck
Bug = vorderer Teil des Bootes. Heck = hinterer Teil.
Steuerbord & Backbord
In Fahrtrichtung: rechts = Steuerbord (Grün), links = Backbord (Rot).
Luv & Lee
Luv = dem Wind zugewandte Seite. Lee = dem Wind abgewandte Seite. Wichtig für Ausweichregeln!
Kiel
Dient der Stabilität und vermindert die seitliche Abdrift bei Am-Wind-Kursen.
Ruder & Pinne/Rad
Ruderblatt im Wasser für Richtungsänderung. Gesteuert über Pinne (Hebel) oder Steuerrad.
Bilge
Tiefster Punkt im Rumpf, wo sich Leck- oder Kondenswasser sammelt.
Merkregel Backbord / Steuerbord
Backbord = links = Rot (alle kurzen Wörter).
Steuerbord = rechts = Grün (alle langen Wörter).
3. Das Rigg (Takelage)
Stehendes Gut hält den Mast – Laufendes Gut bedient die Segel
Stehendes Gut
hält den MastMast & Baum
Der Mast trägt die Segel; der Großbaum hält das Unterliek des Großsegels.
Wanten
Drahtseile, die den Mast seitlich stabilisieren (Ober- und Unterwanten).
Salinge
Querstreben am Mast, die die Wanten spreizen und den Winkel verbessern, um den Mast besser zu stützen.
Stagen
Sichern den Mast nach vorne (Vorstag – hier wird oft das Vorsegel angeschlagen) und hinten (Achterstag).
Pütting
Der Beschlag an Deck oder Rumpf, an dem die Wanten befestigt sind.
Laufendes Gut
bedient die SegelFall
Leine zum Hochziehen (Setzen) der Segel – z. B. Großfall, Fockfall.
Schot
Leine zum Einstellen des Segelwinkels zum Wind – z. B. Großschot, Fockschot.
Baumniederholer (Kicker)
Zieht den Baum nach unten, verhindert das Steigen bei Vorwindkursen und kontrolliert den Twist des Segels.
Dirk
Leine, die den Großbaum hält, wenn kein Segel gesetzt ist (verhindert das Herunterfallen auf Deck).
4. Die Segel
Großsegel, Vorsegel, Spinnaker und das Reffen
Großsegel
Das Hauptsegel am Mast mit drei Ecken und drei Kanten.
- Kopf (oben), Hals (unten vorne am Mast), Schothorn (unten hinten)
- Vorliek (am Mast), Unterliek (am Baum), Achterliek (hinten)
Fock / Genua
Dreieckiges Vorsegel vor dem Mast.
- Fock: reicht nicht über den Mast hinaus
- Genua: überlappt den Mast – größere Segelfläche, mehr Vortrieb
Spinnaker / Gennaker
Große, bauchige Segel aus leichtem Tuch.
- Für Vorwind- oder Raumwindkurse
- Schwieriger zu handhaben, aber großer Geschwindigkeitsgewinn
Reffen – Segelfläche verkleinern
Reffen bedeutet, die Segelfläche bei starkem Wind zu verkleinern, um Krängung (Schräglage) zu reduzieren und das Boot kontrollierbar zu halten.
Faustregel: Sobald du darüber nachdenkst, ob du reffen solltest – ist es Zeit zu reffen.
5. Decksausrüstung
Hardware an Deck, die den Bordbetrieb ermöglicht
Klampen
Beschläge zum Belegen (Festmachen) von Leinen.
Winschen
Seilwinden zur Kraftunterstützung beim Dichtholen von Schoten oder Fallen.
Reling, Bug- & Heckkorb
Sicherheitszaun um das Boot – Bugkorb vorne, Heckkorb hinten – verhindert Überbordfallen.
Fender
Polster (meist luftgefüllt), die das Boot beim Anlegen vor Schäden schützen.
Verklicker
Windanzeiger auf der Mastspitze – zeigt die wahre Windrichtung an.
Zusammenfassung für die Prüfung
SBF See / Binnen
- Grundlegende Bootsteile benennen können
- Backbord / Steuerbord / Luv / Lee kennen
- Formstabil vs. Gewichtsstabil unterscheiden
- „Maschinenfahrzeug unter Segel" verstehen
SKS (Praxis)
- Alle Teile benennen und bedienen
- Kommandos wie „Klar bei Vorleine" ausführen
- Fender ausbringen, Leinen belegen
- Segel setzen, bergen und reffen
Wichtig: Wenn auf einem Segelboot der Motor läuft und gleichzeitig Segel gesetzt sind, gilt es rechtlich als Motorboot (Maschinenfahrzeug unter Segel). Damit ändern sich die Ausweichregeln – ein Klassiker in der SBF-Prüfung!
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen einer Jolle und einem Kielboot?▼
Was ist stehendes und laufendes Gut?▼
Was bedeuten Luv und Lee?▼
Was ist der Unterschied zwischen Fock und Genua?▼
Was bedeutet Reffen und wann sollte man reffen?▼
Was bedeutet 'Maschinenfahrzeug unter Segel'?▼
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Von Null zum Skipper: Kosten, Ausrüstung, Kurse und die 5 Schritte aufs Wasser.
📄 Alle Bootsführerscheine →
SBF Binnen, SBF See, SKS, SSS und SHS: Voraussetzungen, Ablauf und empfohlene Reihenfolge.
Theorie in die Praxis umsetzen
Bootsteile lernt man am besten am echten Boot. Auf unseren Mitsegel-Törns zeigen erfahrene Skipper dir jedes Teil und jeden Handgriff – von der Winsch bis zum Reffen.